6. Karlsruher PROMS

Standing Ovations im Karlsruher Konzerthaus für das Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe

„Von Weber bis Webber“ lautete das Motto der 6. Karlsruher PROMS am 13. Juli. Ins Konzerthaus eingeladen hatten das Sinfonieorchester an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe, proVocal Münzesheim, der Badische JugendChor und der extra mit Sängern aus Malsch, Ötigheim und Obergrombach zusammengestellte PROMS MännerChor. Alle Ensembles werden von Matthias Böhringer dirigiert.

Nur ein Buchstabe trennt die Namensgeber im Konzertmotto – aber dazwischen lagen an diesem Abend viele musikalische Welten, von denen jede ihren besonderen Reiz besitzt und zu faszinieren vermag. Den insgesamt fast 200 Mitwirkenden gelang es von Anfang an, diese Faszination zu erzeugen und in den gut gefüllten Konzertraum zum Publikum zu tragen.

Am Anfang stand Carl Maria von Weber. Dessen „Jubel-Ouvertüre“, eine Auftragskomposition zu Ehren des damaligen sächsischen Landesvaters  Kurfürst Friedrich August III, setzte den feierlichen Ton, der einem solchen Abend gut zu Gesicht steht. Anschließend hatten die vielen Sängerinnen und Sänger ihren ersten Auftritt. „I was glad“ von Charles Hubert H. Parry steht für die große Tradition englischer Chormusik und verfehlte in seinen kathedralhaften Dimensionen seine Wirkung nicht. Bei der folgenden Ouvertüre aus der Oper „Ruslan und Ludmila“ war das Orchester in Sachen Tempo und Spielwitz extrem gefordert – und extrem auf der Höhe!

Die PROMS-Reihe bietet jedes Jahr eine Bühne für vielversprechende junge Gesangssolisten.In diesem Jahr nutzten Marija Dudaite, Sebastian Köppl und Katharina Sebastian, Studierende der Karlsruher Musikhochschule, die Gelegenheit, ihr Können vor großem Publikum zu zeigen. Mit beliebten Arien aus Lehárs Operetten „Paganini“ und „Giuditta“ sowie dem bekannten „Chanson bohème“ aus der Oper „Carmen“ meisterten sie ihre Aufgaben bravourös.

Im nächsten Block, eingeleitet vom innigen „Intermezzo sinfonico“ aus der Oper „Cavalleria rusticana“, hatten dann die vielen Männerstimmen ihren großen Auftritt. Zunächst erklang der „Pilgerchor“ aus „Tannhäuser“, danach beschloss das zeitgenössische „The Awakening“ des US-Amerikaners Joseph Martin die erste Konzerthälfte. Sowohl die beseelte Stimmung bei der Rückkehr der geläuterten Pilgergruppe als auch die sich von absoluter Leere und Verzweiflung bis zum himmlichen Jubel aufschwingende Lobeshymne auf die Kraft der Musik zogen das Auditorium vom ersten Ton an in ihren Bann.

Im zweiten Teil stand zunächst ein Klassiker der Filmmusik auf dem Programm: Miklós Rózsas „Ben Hur“. Elf „Osacrs“ gewann der Streifen, - bis heute unübertroffen. Wer kennt nicht das elf Minuten lange spektakuläre Wagenrennen und die dazugehörende „Parade der Wagenlenker“, bei deren monumentalen Klängen die große Orchesterbesetzung voll zum Tragen kam? Das folgende „Alleluia“ erzeugte dann genau die gegenteilige Stimmung und schlug den Bogen zum folgenden Stück.

„Hymn to the Fallen“ aus dem Film „Der Soldat James Ryan“ ist eine Hommage an die in Kriegen gefallenen Soldaten aller Seiten. 75 Jahre nach der Invasion in der Normandie und fast 80 nach Beginn des 2. Weltkriegs waren die getragenen Klänge aus der Feder von John Williams an einem solchen Abend, bei dem die Kraft und Macht der Musik zum Ausdruck aller möglichen Stimmungen und Lebenssituationen im Mittelpunkt stand, genau an der richtigen Stelle. Zum Nachdenken regte auch die folgende Komposition an, die größte „Rarität“ des Konzerts. Matthias Böhringer hatte die Einleitung der 1948 von der UN verkündeten „Erklärung der allgemeinen Menschenrechte“ vertont und unter dem Titel „Spirit of Brotherhood“ zunächst als virtuelles weltweites Chorprojekt über das Internet eingespielt. Die PROMS-Version verband Chöre und Instrumentalisten mit dem Publikum zu einer Einheit und wurde begeistert gefeiert.

Ungetrübte Lebensfreude lautete daraufhin das Motto und wurde anhand des bekannten brasilianischen Liedes „Tico-Tico“ mit rhythmischer Intensität und ansteckender Spielfreude vom Orchester in die Tat umgesetzt. Das galt auch für das Medley aus „Fluch der Karibik“, schon jetzt ein moderner Klassiker der Filmmusik.

Im abschließenden Segment kam dann der zweite „Lieferant“ des PROMS-Mottos zu Ehren. Mit bekannten Titeln aus „Phantom der Oper“ und „Evita“ zeigten die Mitwirkenden, warum Andrew Lloyd Webber mit seinem Gespür für große Dramen und Melodien überall auf der Welt so erfolgreich ist. Eingerahmt wurde der Musical-Block vom „Pie Jesu“ aus Webbers „Requiem“, das von den Chören im komplett verdunkelten Raum beeindruckend intensiv dargeboten wurde.

Mit dem „Can-Can“ aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ und dem PROMS-Klassiker „Auld Lang Syne“ verabschiedeten sich die Mitwirkenden von den nicht enden wollenden Standing Ovations des Publikums – schon jetzt voller Vorfreude auf die nächste Ausgabe der Karlsruher PROMS, die erstmals im Winter stattfinden wird und am 25. Januar 2020 „Von der Neuen Welt nach Wien“ führt, u.a. mit Dvoraks namensgebender 9. Sinfonie.

PROMS 2020 - WINTER EDITION
Von der Neuen Welt nach Wien
Das Sinfonieorchester an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe spielt Werke aus Antonín Dvořáks 9. Sinfonie "Aus der Neuen Welt" & mehr
Es wirken mit: Badische JugendChor, proVocal Münzesheim, Solisten der HFM Karlsruhe
Dirigent: Matthias Böhringer
Datum: 25.01.2020
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Konzerthaus Karlsruhe
Karten: 22,- Euro / 17,- Euro Schülerinnen, Schüler, Studierende

Vorbestellung: kartennoSpam@das-andere-Orchester.de

Text: Stefan Müller-Ivok//DI, Foto: Elisa Reznicek